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Gute Nacht!


Die Menschen seien entzweit, wird oft beklagt. Und ich glaube, das stimmt. Schon lange beobachte ich mit großem Unbehagen, wie die eine privilegierte Gruppe lautstark ihre diskriminierende Dominanz über die Anderen ausübt. Diese Dominatoren beherrschen weithin den öffentlichen Diskurs, bestimmen die gesellschaftlichen Spielregeln und genießen schamlos ihre Vormachtstellung. Und wenn, was selten genug vorkommt, einmal ein Vertreter der geknechteten Unterdrückten sein Haupt erhebt und die schreiende Ungerechtigkeit anprangert, die Alltagsdiskriminierung und die psychischen Belastungen, unter denen sie leiden, dann ergießt sich ein Schwall bösartiger Häme auf die gequälten Seelen der rechtlo sen Minderheit. Ach Übrigens, bevor jetzt alle alleinerziehenden Gleichstellungsbeauftragten, veganen Genderforscher und die Mitglieder der Interessengemeinschaft der Zwölftonkomponisten mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb zustimmend nicken - Ihr seid nicht gemeint.
Noch vergessener und verhöhnter sind wir Menschen mit sozialökonomisch inkompatiblem Biorhythmus. "Nachteule" ist noch der harmloseste Sammelbegriff für uns langschlafende Geschöpfe am Rande des gesellschaftlichen Frühaufsteher-Mainstreams. Wenn die frühen Vögel zur Morgenstund voller Gold im Mund schon fröhlich im Frühtau zu Berge marschieren (fallera!), kehren wir noch die Reste des an die Wand geworfenen Weckers zusammen und versuchen mittels des zweiten Kaffees wenigstens das linke Augenlid etwas anzuheben.
Die Kirche, offiziell ja kraft des Evangeliums auf der Seite der Entrechteten, ist da meist keine große Hilfe. Obwohl, und daran möchte ich die frühaufstehenden Christen gern mal erinnern, das wesentliche Heilsgeschehen zu nachtschlafener Zeit passierte! Wann kam denn Christus zur Welt? Wann hörten die Hirten die himmlischen Heerscharen? Wann wurde denn der Stein weggerollt und wann vollzog sich die Auferstehung? Genau, mitten in der Nacht. Doch dessen ungeachtet wird auch in diesem Jahr unter dem geradezu zynisch anmutenden Titel "Osternacht" in unserer Gemeinde wieder so eine Frühaufstehersause gefeiert. Um 6:00 Uhr! Morgens! Für meine biologische Uhr ist da noch Karfreitag-Nachmittag. Doch ich gebe die christliche Hoffnung nicht auf. Spätestens im Himmel, das hab ich auch in der Bibel gelesen, werden die, die sonst immer die Ersten waren, nämlich die Allerletzten sein. Und dann ziehen die Nachteulen als Erste triumphierend im Abendrot zu Tale, fallera!


Traugott


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