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Mit der Uhr in der Hand

Ich gehöre ja eher zu den unpünktlichen Menschen. Wobei Unpünktlichkeit in meinem Fall nichts mit Ignoranz zu tun hat. Ich will einfach nicht warten müssen. Nicht auf den Bus, nicht auf den Film im Kino, nicht auf das Glockenläuten vor dem Gottesdienst. Akademische Veranstaltungen beginnen zumeist "c.t." also "con tempore" - "mit Zeit", was bedeutet, dass eine Viertelstunde Bummelei toleriert, ja geradezu vorgeschrieben wird. Das akademische Viertel - oh herrliche Studentenzeit. In der Gottesdienstpraxis der evangelischen Kirche hat sich dieser schöne Brauch leider nicht durchgesetzt. In meinem Fall beginnt der sonntägliche Kirchgang also mit dem protestantischen Mehrkampf aus Hochgeschwindigkeits-Ankleiden, Eil-Morgentoilette und anschließendem Gehwegjogging mit kurzen Zwischensprints. Besonders herausfordernd in der Disziplin "Familie". Unmöglich zu gewinnen in der Kategorie "Familie mit kleinen Kindern, deren Lieblingspullover nicht aufzufinden ist". Schön ist es, wenn einen - endlich in der Kirchenbank angekommen - anerkennende Blicke anderer Mehrkampf-Teilnehmer begrüßen. Nicht allein zu sein bei seinem Sieg gegen die Uhr, dass ist echte Kameradschaft unter uns Leistungssportlern. Leider gibt es noch keine deutschen Meisterschaften in dieser Sportart, wir hätten einige aussichtsreiche Kandidaten, aber ich rege das hiermit an, zum Beispiel als Programmpunkt für den Kirchentag 2011 in Dresden. An das bereits erwähnte akademische Viertel muss ich immer denken, wenn in Plauen als Gottesdienstbeginn 9:15 Uhr steht. Dieses Viertel wirkt so winzig, so unfertig. Als suche es die Ergänzung zum Halben. Morgens halb zehn in Deutschland - das kann man sich doch auch viel besser merken. Und was man in dieser Viertelstunde alles erledigen könnte. Da wäre vielleicht sogar ein Frühstück drin, oder ein kurzer Schwatz mit dem Nachbarn. Aber wie heißt es im Monatsspruch März (Römer 8,18): "Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll." Das schon Paulus den Begriff Zeit mit dem Wort Leiden in Verbindung setzte, tröstet mich ungemein. Was den Glauben betrifft war er ja auch eher unpünktlich, aber später umso treuer. Con tempore!

Traugott


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